Aktionsgruppe
Gabelhorster Wald
Der Gabelhorster Wald -
Zustandsbeschreibung und Ökologie
von Dipl.-Ing. (FH) Landespflege Susanne Bartens-Korn
Obwohl der Gabelhorster Wald mit seinen rund 10 Hektar Größe auf Sandboden steht, weist er eine bemerkenswerte Vitalität und trotz des Verbisses durch Rehe eine ungewöhnliche Rate an Naturverjüngung in diversen Altersstufen und einem breiten Artenspektrum (etwa 30 standorttypischen Gehölzarten) auf, sicherlich gefördert durch einen hohen Anteil stehenden und liegenden Totholzes sowie eine weitgehend unverletzte, wald- und saumtypische Kraut- und Bodenschicht. Mit über 30 Arten waldtypischer Kräuter, Gräser und Moose auch durch ein breites Spektrum an Symbiosepilzen und saprobiontischen Pilzen (über 30 belegte Pilzarten, u.a. Knollenblätterpilz. Fliegenpilz, Düsterer Rotfußröhrling, kirschroter Speitäubling, Marone) belegt wird.
Im mittleren Teil (der belegtermaßen schon über 200 Jahre als Wald besteht) hat sich unter dem Schirm aus über hundertjährigen Kiefern (30 Meter) eine Laubverjüngung aus überwiegend Buche, Birke und Eberesche (bis 25 Meter) gebildet. Dazwischen eine Vielzahl von Gehölzarten in unterschiedlichen Altersstufen (darunter auch Vogelkirsche, Ilex und Taxus, Faulbaum, Rote Heckenkirsche, roter und schwarzer Holunder).
Diese Fläche wird umrandet bzw durchschnitten von Reihen alter Laubgehölze entlang von Flurgrenzen und Wegen, in denen sich zT über 200jährige Eichen aber auch Buchen finden.
Im Nordosten dominiert lichter, trockener Kiefern-Birkenwald mit Waldgräsern und Blaubeere und geringer Naturverjüngung von Kiefer, im Südosten (entlang der B 239) befindet sich eine artenarme fast 30jährige Buchenmonokultur, im Westen (entlang der Gabelhorst) ist ein gleichaltriger, verhältnismäßig feuchter und dunkler Streifen mit den Hauptbaumarten Buche, Birke und Zitterpappel, in dem sich unter anderem große Bestände von Sumpfstendelwurz (Orchidee) aber auch von Knollenblätterpilz finden. An dessen Rand zum Alten Wald finden sich große Bestände an Schattenblümchen und Vielblütigem Weißwurz.
Im Nordwesten dominieren alte Laubgehölze und Waldrandpflanzen sowie ein fast undurchdringliches Gewirk aus Rankpflanzen (Brombeere und Waldgeißblatt) und Naturverjüngung.
Die Vielfalt der Lebensraumtyen wird noch unterstützt durch alte Wegewälle und Rigolensysteme.
Auch die nachgewiesene bzw. beobachtete Tierwelt weist auf die Hochwertigkeit des Mischwaldes, der im Typ eines Dauerwaldes dasteht, hin. Neben Schwarzspecht und Buntspecht, Kernbeißer, Zaunkönig, Zilpzalp, Waldlaubsänger, Springfrosch, Strauchschrecke wurden auch Stare und Baumläufer als Brutvögel beobachtet, die als Nachnutzer der zahlreichen Spechthöhlen dort ausreichend Quartiere finden.
Die Ergebnisse der durch die Stadt Espelkamp beauftragten Untersuchungen des Vogel- und Fledermausbestandes sind uns leider noch nicht bekannt.
Auch wenn auf der Fläche bislang keine bauausschließende „Rote-Liste-Art“ gefunden wurde, so leben dort doch viele geschützte Arten, und die Gesamtheit des Systems ist so intakt, weit entwickelt, wertvoll, artenreich und klimaresilient, dass der Wald selbst durch dreifache Wiederaufforstung nicht ausgeglichen werden kann, zumal ein Neuaufwuchs auf Sand in Zeiten der Klimaerwärmung gar nicht mehr garantiert werden kann.
Auch die Biotopverbindung bzw. Schrittsteinfunktion in Nord-Südrichtung wie auch Ost-Westrichtung ist unersetzbar.